Schilf-Glasflügelzikade - Können wir nach den Kartoffeln und Zuckerrüben was tun vor der neuen Aussaat? Das ist hier die Frage...
Dieses Jahr mussten wir leider feststellen, dass trotz der vielen Insektizid-Maßnahmen in den Hot Spot Regionen in Bayern, wieder Schilf-Glasflügelzikaden kamen und da waren.
Warum? Einige resignieren gerade und stellen alles in Frage. Wie wird sich das weiterentwickeln? Hier einige Gedanken dazu!
Was haben wir festgestellt? Eine Ausbreitung war leider nur bedingt aufzuhalten. Auch in den Regionen Straubing war mehr zu finden als letztes Jahr. In München, Erding wurden Zikaden gefunden. Auch erste sichtbare Stauden und Knollen die Gummiartig wurden.
Funde in den Regionen laut LFL:
- Unterfranken: Aschaffenburg, Bad Kissingen, Haßberge, Kitzingen, Miltenberg, Main-Spessart, Rhön-Grabfeld, Schweinfurt und Würzburg.
- Mittelfranken: Ansbach, Erlangen-Höchstadt, Fürth, Neustadt a.d. Aisch-Bad Windsheim, Nürnberg, Roth, Schwabach und Weißenburg-Gunzenhausen.
- Oberfranken & Oberpfalz: Bamberg, Coburg, Forchheim, Lichtenfels sowie Neumarkt, Regensburg und Schwandorf.
- Oberbayern, Niederbayern & Schwaben: Zahlreiche Funde u.a. in Dachau, Eichstätt, Ingolstadt, Landshut, Passau/Deggendorf sowie Augsburg und Donau-Ries
Irgendwie stellt sich die Frage bei vielen, warum sind die Insektizid-Maßnahmen nicht wirksamer. Warum kommen immer noch Schilf-Glasflügelzikaden hervor?
In einem der Hot Spots in Bayern, Raum Pförring, wurde mir dieses Jahr nach Pfingsten recht schnell klar, Bekämpfung ja funktioniert mit den Insektiziden aber eine komplette Ausrottung funktioniert nicht. Warum, es gibt in den Regionen sehr viele Rückzugsorte für die Zikade. Schilfflächen, natürliche Lebensräume wo wir nicht eingreifen, und dort können die Zikaden ungestört Ihre Eiablagen machen.
Gibt es Ideen wie wir jetzt weiter machen wollen?
Jetzt kommt die nächste Negativ-Meldung für die Landwirte. Für das Produkt Karate Zeon, wird die Zulassung nicht verlängert. Zwar soll es Aufbrauchfristen geben, was uns nächstes Jahr überbrücken lässt, aber 2028 stehen wir dann wieder mit leeren Händen da. Ob Notfallzulassungen erhalten bleiben für Kartoffeln und Zuckerrüben wird sich zeigen... Syngenta kämpft dafür! So die Aussagen.
Aber wir stecken nicht den Kopf in den Sand, sondern wir sind Landwirte und überlegen uns Lösungswege!
Ideen:
- Wir sind dieses Jahr aufgrund der trockenen Witterung früh dran, eine Beizung mit Signal 300 ES von UPL könnte helfen, nicht nur gegen den Drahtwurm. Frühe Aussaat von Weizen, der gebeizt ist, könnte helfen! Die Südzucker versucht aktuell eine Notfallzulassung für Signal in Sommergerste zu erwirken. Also muss hier eine Wirkung vorliegen, auch gegen die Nymphen der Schilf-Glasflügelzikade.
- Nach der Zuckerrübenernte Bodenbearbeitung, zeitnah hilft, dass wissen wir. Innerhalb von 24 Stunden nach der Ernte hilft eine Bodenbearbeitung, um die Nymphen zu schädigen.
- Versuche 2025 mit Steri Clean Soil, dass gegen den Drahtwurm super funktioniert, hatte Nebenwirkungen gezeigt! Nach dem Drahtwurmjahr 2026 könnte man überlegen jetzt schon mal 1-2 l je ha auszubringen. Sprecht uns hier an!
- Schwarzbrachte hilft auch! Aushungern der Nymphen ist hier die Devise! Aber hier ist halt das Problem, wenn nicht alle in der Region mit machen. Und nachdem wir Nymphen im Maisstroh finden, stellt sich die Frage, bringt das langfristig was?
Bild aus der Region Straubing...
- Das Bodenmikrobiom so verändern, dass sich die Tierchen nicht mehr wohlfühlen im Boden. 0,6 – 1,0 l Karrikin sprühen, vor der Aussaat des Getreides würde vergrämende Wirkung zeigen.
- Das neue Produkt Humisyn TRIPLE, was auf Leonardit basiert, mit Huminstoffen aufgeladen ist und in der Mischung mit einem Depot von 0,8 l je ha Karrikin kommt, hat sicher eine Dauervergrämende Wirkung. 50 kg je ha mit dem Mineraldüngerstreuer ausbringen, bevor der Weizen gesät wird. Hier erhoffen wir uns viel. Erste Versuche werden wir dieses Jahr noch anlegen. Wer hier noch was probieren möchte, sollte sich beim Kartoffel-Center München Nord melden, Ansprechpartner ist Herr Anton Liebl.

- Fruchtfolge wird sicher ein Thema: Muss es immer das Wintergetreide nach Zuckerrüben sein? Oder können wir hier auf etwas anders umsteigen? Sprecht mit euren Kollegen in der Region. Sprecht in den Erzeugergemeinschaften darüber. Hier kann einer allein keinen Erfolg haben! Nur gemeinsam kann hier etwas bewegt werden.
- Entscheidender Faktor ist Pflanzgut. Nur wenn frisches Pflanzgut in den Hot Spot Regionen zum Einsatz kommt, können wir die Pflanzen so stärken, mit Karrikin so vergrämend arbeiten, dass wir auch in Zukunft vernünftig Konsumkartoffeln anbauen können. Aber das Pflanzgut muss passen. Nachbau aus der Region, Z-Pflanzgut aus der Region wird nicht funktionieren, dessen müssen wir uns bewusst sein! Also plant euren Pflanzgut – Bezug! Hier ist die Devise, wer zuerst kommt, der wird sicher Möglichkeiten haben auch in Gesprächen vernünftige Preise zu erzielen!
Dies sind nur ein paar Gedanken zum Thema Schilf-Glasflügelzikade. Wer glaubt, wir können warten bis wir eine Lösung bekommen, mit chemischen Beizen, dem muss ich leider die Illusion nehmen! Wir müssen uns als Kartoffelanbauer hier selber helfen! Sonst werden wir uns langfristig vom Kartoffelanbau verabschieden müssen. Und das will weder der Abnehmer, noch der Landwirt noch der Verbraucher. Wir brauchen unsere regionalen bayerischen Kartoffeln.
Viel Erfolg, und bitte probiert was aus im Herbst! Nur mit gemeinsamen Anstrengungen kommen wir hier weiter!
Beitrag von Johannes Seemeier