Der Blick in den Wurzelraum: Wie datenbasierte Beregnung Kartoffeln durch Trockenphasen bringt
Diese Saison wird vielen Kartoffelanbauern in Erinnerung bleiben. Die wochenlange Trockenheit und Hitzespitzen von teils über 40 Grad werden in den Kartoffelbeständen vielerorts womöglich Ertragsminderungen und Qualitätseinbußen bewirken. Obwohl bei den Beregnungsbetrieben dieses Jahr die Devise „Wasser marsch“ lautete, sind viele Betriebe mit ihrem Beregnungsmanagement nicht hinterhergekommen. Viele Landwirte und Landwirtinnen fragen sich, was sie im kommenden Jahr verbessern können und wie sie sich besser auf zukünftige Dürreperioden einstellen können. Intelligentes Beregnungsmanagement kann dabei helfen, die zur Verfügung stehenden Wasserressourcen bestmöglich einzusetzen, um insbesondere die Erntequalität unter herausfordernden Anbaubedingungen zu sichern.
So trocken war die Saison bisher
Die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes bestätigen den Eindruck vieler Betriebe: Nach einem vielerorts bereits zu trockenen Frühjahr, fielen Bundesweit im Juni 2026 nur rund 66 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, gut ein Fünftel weniger als im langjährigen Mittel (85 l/m²). Im Juli setzte sich die Entwicklung fort und verschärfte sich sogar: Mit rund 40 l/m² erreichte Deutschland nur knapp die Hälfte des Klimasolls von 78 l/m², was durchaus mit den extremen Dürrejahren 2018 und 2022 vergleichbar ist. Besonders betroffen waren dabei Bayern und Baden-Württemberg sowie weite Teile Ostdeutschlands.

Abbildung 1: Verlauf der über Deutschland gemittelten Bodenfeuchte in 0 bis 60 cm Tiefe in den
Jahren 2018, 2022 und 2026 sowie das Mittel 1991 – 2020 und der Wertebereich 1991 – 2025. Quelle: DWD
Auch in Österreich zeigt sich ein sehr ähnliches Bild: Nach dem trockensten Frühjahr seit Messbeginn kämpft die Landwirtschaft, allen voran im Burgenland, weiter mit anhaltender Trockenheit. Die Landwirtschaftskammer Österreich bezifferte Ende Juli die Lage bei mehreren Herbstkulturen (darunter der Kartoffel) als Kampf gegen eine Trockenheit „wie noch nie".
Vom Niederschlag zur Bodenfeuchte
Um den Wasserbedarf ihrer Kulturen abzuschätzen, verlassen sich die meisten Betriebe auf die unterschiedlichen Wettervorhersagen und einzelne Wetterstationen, teilweise auch im Netzwerk mit ihren Nachbarn. Der ständige Blick auf das Regenradar und die unterschiedlichen Vorhersagen sind ein essenzieller Bestandteil eines modernen Bewässerungsmanagements. Doch entscheidend ist am Ende nicht der gefallene Niederschlag, sondern wie viel Feuchte den Kartoffelpflanzen tatsächlich zur Verfügung steht. Wie viel Wasser wirklich ankommt, hängt von Bodenstruktur, Durchwurzelungstiefe und Verdunstung ab. Faktoren, die sich von Schlag zu Schlag, teils sogar innerhalb eines Feldes und über die Anbauperiode hinweg deutlich unterscheiden.
Ein leistungsfähiger Speisekartoffelbestand einer mittelfrühen bis späten Sorte transpiriert über seine Wachstumsperiode (120 bis 150 Tage) mehrere hundert Liter Wasser pro Quadratmeter. An heißen Sommertagen mit voll entwickeltem Blattapparat können daraus schnell bis zu 7,5 mm Wasserbedarf am Tag werden. Solange das Blätterdach noch nicht vollständig geschlossen und die Temperaturen moderat sind, reicht ein einzelnes Niederschlags- oder Beregnungsereignis oft für mehr als eine Woche nutzbare Bodenfeuchte im Oberboden. Sobald sich mit vollem Bestand und sommerlicher Hitze die Evaporation von Blattoberflächen erhöht, kommt von derselben Wassermenge deutlich weniger im Wurzelraum der Pflanze an und wird zudem durch die erhöhte Transpiration schneller verbraucht.
Um die tatsächlich zur Verfügung stehende Wassermenge zu bestimmen hat sich in der fachlichen Praxis die Bodenfeuchte in Prozent der nutzbaren Feldkapazität (% nFK) als Orientierungsgröße etabliert. Für ein optimales Beregnungsmanagement gilt typischerweise eine Bewässerungsschwelle von 50 % nFK. Bei reduzierter Beregnung wird erst ab 30 oder 40 % nFK eine Bewässerung empfohlen. Dadurch werden die Pflanzen am Anfang der Saison zu stärkerem Wurzelwachstum „erzogen“, wodurch sie am Ende der Saison besser an das verfügbare Wasser in tieferen Bodenschichten (bis etwa 60cm) herankommen. Zu großer Stress beim Knollenansatz sowie ein zu spätes wiederbewässern sollten aber vermieden werden, um einen guten Knollenansatz zu gewährleisten und Schorf, Zwiewuchs oder Wachstumsrisse zu vermeiden.
Mit dem DürrePilot zur richtigen Entscheidung
Im Boden liegen also die Informationen, die für eine bedarfsangepasste Beregnung und folglich eine gute, hoch qualitative Kartoffelernte entscheidend sind. Doch woher weiß man jetzt genau, wie viel Wasser den Pflanzen tatsächlich zur Verfügung steht und wie viel durch Beregnung beigesteuert werden muss? Genau diese Fragen beantwortet der DürrePilot (Abbildung 3). Die leicht verständliche Web-App liefert eine 5-Tages Vorhersage mit genauen Informationen zu:
- dem pflanzenverfügbaren Wasser,
- der freien Speicherkapazität des Bodens,
- dem Wasserbedarf der Pflanzen sowie
- der empfohlenen Beregnungsmenge und dem Zeitpunkt.
Die Vorteile:
- Timing der ersten Beregnungsgabe optimieren
- Schläge richtig priorisieren, wenn die Technik nicht überall gleichzeitig sein kann,
- unnötige Gaben vermeiden und Diesel/Strom, Arbeitszeit und Wasser während der arbeitsintensiven Beregnungssaison einsparen
- informierte Bewässerungsentscheidungen treffen und Qualitäten sichern
Aber auch abseits der Beregnung kann der DürrePilot durch Überwachung von Bodenfeuchte- und temperatur dabei unterstützen, Lege- und Rodetermine gezielter zu planen.
Abbildung 2: Die DürrePilot App mit Feldübersicht, aktueller Bodenfeuchte und Bewässerungsempfehlung.
Was steckt hinter dem DürrePilot
Die Besonderheit der Anwendung ist die intelligente Verbindung von Sensoren im Feld mit einem physikalisch basierten Modell, das die Vorgänge im Boden und in der Pflanze genau beschreibt. Die Sensoren messen die Bodenfeuchte und -temperatur über mehrere Tiefen hinweg direkt im Wurzelbereich. Eine detaillierte Auflösung des Bodenfeuchteprofils bietet dabei der Sense500, eine Profilsonde die in 5 Tiefen bis zu 50 cm misst. Die kostengünstigere Variante, der Sense200, misst dagegen in 2 verschieden Tiefen die sich variabel festlegen lassen (Abbildung 4). Die Daten werden stündlich mit einem solarbetriebenen Funkmodul ganz einfach über das Handynetz übertragen. Die aktuelle Messung sowie die historischen Daten stehen in der Web-App bereit, sodass bei einer Bewässerungsgabe oder einem Niederschlagsereignis live mitverfolgt werden kann, ob das Wasser auch die tieferen Bodenschichten erreicht hat. Der Einbau der Sensoren erfolgt unkompliziert nach dem Setzen oder Auflaufen der Kartoffeln. Je nach Sensorvariante durch leichtes Abgraben und seitliche Installation im Kartoffeldamm (Abbildung 4 l. u.), oder durch vertikales Einschlagen der Profilsonde mit einem Gummihammer (Abbildung 4 r. u.). Bei sehr heterogenen oder großen Schlägen, empfiehlt sich dabei mind. zwei Sensoren im Feld einzubauen.
Der Sensor


Abbildung 3: Sensorvarianten Sense200 (zwei Messtiefen) und Sense500 (fünf Messtiefen) sowie die einfache Installation im Kartoffeldamm.
Während der gesamten Saison läuft das Pflanzenwachstumsmodell in Echtzeit mit und wird laufend mit den Messdaten aus dem Feld informiert, um den aktuellen Zustand von Boden und Pflanze optimal abzubilden. Dabei handelt es sich nicht um eine KI-Blackbox, sondern um ein physikalisches Modell, das Informationen zu Kultur, Pflanzenwachstum, Bodenbeschaffenheit und der Wetterentwicklung der kommenden Tage vereint. Dabei muss lediglich der Standort, die Kulturart, sowie das Aussaat- bzw. Legedatum eingegeben werden. Der Nutzer oder die Nutzerin kann individuell festlegen, bis zu welcher Bodentiefe, für welchen %nFK-Grenzwert und mit welchem Beregnungszyklus die Ergebnisse berechnet werden sollen.
Durch die physikalische Basis des Modells, kann der DürrePilot alternativ auch ohne Sensor genutzt werden. In dieser Variante ist es allerdings unerlässlich, die Beregnungsgänge regelmäßig nachzutragen, damit die Modellergebnisse aktuell bleiben.
Eine Saison mit dem DürrePilot
Wie viel Wasser den Spätkartoffeln tatsächlich zur Verfügung stand, zeigt die beispielhafte Saisonauswertung eines Kunden auf mittel sandigem Lehm im Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen (Abbildung 5): Anfang April lag die nutzbare Feldkapazität im Wurzelraum (0–60 cm) noch nahe 100 %. Mit zunehmendem Bestandsschluss und steigender Verdunstung beginnt der Bodenwasserspeicher ab Ende Mai deutlich zu sinken. Ende Juni fiel die Bodenfeuchte erstmals unter 50 % nFK und erreichte somit die orangene Warnzone. Zu diesem Moment sank die tatsächliche Transpiration (Tr) deutlich ab, ein klares Zeichen für einsetzenden Trockenstress.
Genau an diesem Punkt griff die erste von insgesamt vier Beregnungsgaben und hob die Bodenfeuchte wieder auf rund 64 % nFK an. Regelmäßige Beregnungsgaben brachten den Bestand durch den extremen Juli, der trockenste seit 1881 in Nordrhein-Westfalen. Dabei bemühte sich der Landwirt eine Beregnungsschwelle von 40 % nFK einzuhalten, ein guter Kompromiss zwischen Ertrags- bzw. Qualitätssicherung und Wasserverbrauch. Ende August sorgten einige Niederschlagsereignisse für Entlastung, außerdem sank der Wasserbedarf der Kartoffeln durch beginnende Abreife deutlich. Zwar bleibt das Ernteergebnis noch abzuwarten, der Landwirt dürfte mit seiner regelmäßigen, gut getimten Beregnung aber mit seinem Ertragsergebnis zufrieden sein.

Abbildung 4: Saisonauswertung mit dem DürrePilot auf einem Spätkartoffelacker.
Aus Daten Entscheidungen machen
Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Sie muss auch unter veränderten Klimabedingungen zuverlässig Lebensmittel produzieren, während gleichzeitig der Druck auf regionale Wasserressourcen steigt. Wer seine Felder besser versteht, kann gezielter handeln. Gerade bei einer so wichtigen Aufgabe wie der Beregnung, muss diese Entscheidung schnell und sicher fallen: Genau hier unterstützt der DürrePilot, indem er Boden-, Pflanzen- und Wetterdaten zusammenführt, auswertet und klare Empfehlungen ableitet. Bei begrenzten Wasserrechten, steigenden Energiekosten und immer häufigeren Extremjahren wird das zu einem echten Vorteil für Ertrag, Qualität und Betriebsergebnis.
Für die kommende Saison lohnt es sich deshalb, schon jetzt zu überlegen, wie das eigene Beregnungsmanagement auf eine bessere Entscheidungsgrundlage gestellt werden kann. Der DürrePilot ersetzt dabei nicht vollständig die Erfahrung noch die Kenntnis des eigenen Feldes. Aber er liefert eine zusätzliche, belastbare Grundlage, besonders dann, wenn Wetter und Wasserverfügbarkeit zunehmend schwerer vorhersehbar werden.
Wer wir sind
Der DürrePilot ist ein Produkt des Kölner Start-Up Drought Analytics entwickelt von dem dreiköpfigen Gründungsteam bestehend aus David Mengen, Olga Dombrowski und Felix Nieberding (Abbildung 5). Die Technologie der Firma baut auf Forschung am Agrosphäre Institut des Forschungszentrums Jülich auf, wo untersucht wird, wie Wasser, Boden, Pflanzen und Atmosphäre zusammenwirken und wie Landwirtschaft besser mit den Folgen des Klimawandels umgehen kann.

Abbildung 5: Das Team von Drought Analytics, (v.l.n.r. David Mengen, Felix Nieberding und Olga Dombrowski) hier im Rheinischen Rübenacker.
Wie gut hat Ihre Beregnung 2026 zum tatsächlichen Wasserbedarf Ihrer Kartoffeln gepasst? Wir erstellen Ihnen gerne kostenlos eine Saisonauswertung für einen Ihrer Schläge. Dafür benötigen wir nur Standort, Legetermin und Ihre Beregnungsgaben.
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contact@drought-analytics.com | www.drought-analytics.com
Beitrag von Frau Dr. Olga Dombrowski