Rapsanbau, wir wollten es wissen! ALL IN war die Devise – mit welchem Ergebnis im Trockenjahr 2026?
Der Rapsanbau ist schwieriger den je geworden. Immer mehr Druck durch Schädlinge, wovor wir den Raps schützen müssen. Im Herbst kämpfen wir gegen Schnecken, dem Erdfloh, der Kohlfliege und dem schwarzen Kohltriebrüssler.
Im Frühjahr heißen dann die Schädlinge Stängelrüssler, Kohltriebrüssler, Rapsglanzkäfer, Mauszahnrüssler, Kohlschottenrüssler und Kohlschottenmücke.
Dies allein ist schon eine ganze Herausforderung. Aber auch Bodenstruktur bei der Aussaat und möglichst keine verschlemmten Böden im Herbst sind ein Thema.
Weitere Herausforderungen sind der klimatische Druck und die Bestandesetablierung. Trockenheit bei der Saat: Fehlende Feuchtigkeit im Saatbett im Spätsommer erschwert den gleichmäßigen Feldaufgang.
Fehlende Winterruhe: Milde Winter führen oft zu einem durchgehenden, zehrenden Vegetationsfortschritt statt einer gesunden, physiologischen Winterruhe der Pflanzen.
Wassermanagement: Die Bodenbearbeitung muss möglichst trockenheitsschonend erfolgen, um Feuchtigkeit im Horizont zu halten.
Also genug Herausforderungen, mit denen wir umgehen müssen. Was haben wir gemacht? Wir wollten es wissen, was geht und was nicht geht! So das Ziel!
Versuch fand in der Oberpfalz auf 500 m Jura – Höhe statt. Sandiger Lehmboden mit 68 Bodenpunkte, 3,3 ha Fläche. Also nicht extrem gut, aber auch nicht schlecht.
Feld wurde unterteilt in zwei Sorten.
Sorten: BASF Cheeta, 2,3 ha, zum Vergleich wurde noch 1 ha mit Syngenta Aganos gesät.

Vorfrucht war Wintergerste, klassisch. Nach dem ersten Stoppelsturz lief das Ausfallgetreide gut auf, auch der Ackerfuchsschwanz, hier wurde die erste Bekämpfung mit Round Up gesetzt. Und wir haben schon mal 1,0 l Karrikin gesprüht, diese Kombi ging leider nicht gut, da der Bambusessig in der Mischung zu viel war, und das Pflanzenschutzmittel nicht in die Wurzel vom Ackerfuchsschwanz mehr kam. Der Fuchsschwanz verbrannte wortwörtlich. Für die Rotte-Förderung, für die Erdfloh-Vergrämung war es aber Top. Auch für den Boden war es gut. Wir haben das Bodenmikrobiom gefördert mit der hohen Menge an Karrikin.
Dann haben wir nochmal den 3-Balkigen Grubber durchgezogen und anschließend wurde im Einzelkornsähverfahren kombiniert mit der Kreisselegge, mit 37,5 cm Reihenabstand, der Raps in der Reihe gebaut. Bei der Aussaat wurde gleich das Schneckenkorn ausgebracht, auch in der Reihe.
Wir wollten ALL-IN machen dieses Jahr im Anbaujahr 2025/2026, weil der Raps ja ein genetisches Potential von 6 t Ertrag haben soll. Sowas will man ja dann auch mal annähernd erreichen, so das Ziel! So die Wunschvorstellung. Bis dato konnte in der Region schon mal annähernd ein Ertrag von knapp 5 t erreicht werden, aber nur wenn es ausreichend mit der Wasserverorgung gepasst hat und die restlichen Bedingungen gut waren.
Als Nullparzelle diente der 5 ha Schlag, gleich nebenan, wo Pioneer Saatgut zum Einsatz kam. Sehr guter Ackerbaubetrieb mit Schweinegülle im Einsatz. Organisch haben wir leider keine Düngung setzten können in diesem Jahr auf der Versuchsfläche.
Dafür wurde der Raps mit 1,5 dt. 15/15/15 Volldünger angedüngt im Herbst.
Mit der mineralischen Düngung sind wir insgesamt etwas sparsam unterwegs gewesen aufgrund der Kostensituation in 2026. Mineraldünger teuer, deshalb hier die Handbremse angezogen. Was wir aber gemacht haben, wir brachten im September Nu-Slow 28 nochmals als Stickstoff übers Blatt aus und alle Spurennährstoffe, die es gibt. Am 18.09.25 begannen wir mit den Spritzungen. Neben Aminosäuren, kamen auch Huminsäuren zum Einsatz sowie wiederrum Karrikin um den Erdfloh zu vertreiben. Um die Biostimulanz Photon kennenzulernen, haben wir 20 g Photon auf der Fläche vom BASF Cheeta ausgebracht. Die Fläche mit dem Aganos bekam dieses Produkt nicht.
Die zweite Spritzung im Herbst wurde am 29.09.25 gesetzt. In dieser Spritzung wurde dann sicherheitshalber ein Insektizid mit Trebon 30 EC in voller Aufwandmenge gesprüht, plus Bor und Aminosäure in Form von Biolchim Glibor, sowie Limowet um zusätzlich eine repellente Wirkung zusätzlich gegen Insekten zu haben. Anfang Oktober ging es dann weiter, nochmals mit Herbizid, plus Karrikin um Insekten zu vergrämen plus FMC Multiple Pro um ausreichend Mangan, Magnesium, Zink und Cu zur Verfügung zu stellen, sowie nochmal eine Spur Stickstoff über das Produkt Nu-Slow 28.
Eine gute Alternative um die Spurennährstoffversorgung sicher zu stellen, wären hier 2-4 l YaraVita RAPS PRO gewesen. Das werden wir 2026/2027 testen.
Am 14. Oktober brachten wir dann Toprex von Adama aus, um den Raps gesund durch den Winter zu bringen, sowie nochmals Karrikin um die Biostimulante Wirkung von Karrikin zu nutzen und weiterhin die vergrämende Wirkung gegen Insekten aufrecht zu erhalten. Damit uns der Raps, der leider oft nicht mehr wirklich in eine Vegetationspause kommt, ausreichend mit Stickstoff versorgt war, brachten wir 50 g Nutribio N von Syngenta aus. Auch wurde der Klorophilgehalt gefördert mit der Biostimulanz Klorofil von Certis Belchim mit einem Aufwand von 1,0 l je ha. Ja und weil der Landwirt Probleme mit Ackerfuchsschwanz hatte, wurden dann noch eine Nikolausspritzung mit Kerbflo gesetzt. Insgesamt wurde gegen den Ackerfuchsschwanz mit Round Up, Select und Kerbflo dreimal agiert.
Zum Schluss dann doch erfolgreich. Der Acker war 2026 sauber… mühselig, aber erfolgreich. Solche Problemunkräuter fordern uns mittlerweile sehr.
Was zu betonen ist, wir haben im Herbst gerade 1 x-mal ein Insektizid gesprüht. Bitte nicht vergessen, wir reden hier über Raps! Hier brachte die Menge an Karrikin einiges.
Im Frühjahr ging es dann weiter mit einem extrem schnell wirkenden N-Dünger von Yara, der mit Bor aufgeladen ist. Als erst Düngung lief hier ein Yara NITRABOR mit 4 dt. je ha. Als zweite Gabe kam ein 24/12 mit einem Aufwand von 3 dt. je ha als Dünger zum Einsatz. Mehr wurde mineralisch im Frühjahr nicht gemacht. Also eher in Bereich der N-Düngung eher niedrig…
Zusätzlich wurde im Frühjahr bei jeder Spritzung 10 l Nu-Slow als N-Dünger ausgebracht.
Hier der genaue Dünge- und Spritzplan zum Nachlesen:
| Rapsversuch 2025/2026 | ||||
| Datum: | Produkt | Menge: | Wirkstoffgruppe | Rapsorten: |
| BASF Cheeta | ||||
| Syngenta Aganos | ||||
| August | Karrikin | 1,0 l je ha | Vor Bodenbearbeitung auf Stoppelfeld, zur Bodenverbesserung | |
| 18.09.2025 | Belkar | 0,25 +0,25 l je ha | Herbizid | |
| 18.09.2025 | Karrikin | 0,2 l je ha | Biostimulanz und Vertreibende Wirkung | |
| 18.09.2025 | Select | 0,5 + 1 l je ha | Gräsermittel | |
| 18.09.2025 | Nuvitality | 1 l je ha | Aminosäure und Alge um mehr Feinwurzeln zu bekommen | |
| 18.09.2025 | Photon | 20 g je ha | Signalstoff, Biostimulanz --> Pflanzenabwehr aktivieren | |
| 18.09.2025 | LiqHumus | 0,3 l je ha | Huminsäure | |
| 20.09.2025 | NPK 15/15/15 | 1,5 dt. je ha | Volldünger mineralisch | |
| 29.09.2025 | Cyperkill | 50 ml je ha | Insektizid | |
| 29.09.2025 | Glibor Ca | 2 l je ha | Bor und Aminosäure | |
| 29.09.2025 | Nu-Slow 28 | 5 l je ha | Stickstoff übers Blatt | |
| 29.09.2025 | Limowet | 0,3 l je ha | Haftmittel und Repellent | |
| 02.10.2025 | Belkar | 0,25 l je ha | Herbizid | |
| 02.10.2025 | Karrikin | 0,3 l je ha | Biostimulanz und Vertreibende Wirkung | |
| 02.10.2025 | NuVitality | 0,75 l je ha | Aminosäure | |
| 02.10.2025 | Multiple Pro | 1 l je ha | Blattdünger mit Mn, Mg, Cu, Zn | |
| 02.10.2025 | Nu-Slow 28 | 1,5 l je ha | Stickstoff als Blattdünger | |
| 14.10.2025 | Adama Toprex | 0,35 l je ha | Fungizid | |
| 14.10.2025 | Klorofil Certis Belchim | 1 l je ha | Biostimulanz, Signalstoff, erhöht die Photosynthese | |
| 14.10.2025 | Nutribio N | 50 g je ha | Luftstickstofffixierende Bakterien | |
| 14.10.2025 | Karrikin | 0,4 l je ha | Biostimulanz und Vertreibende Wirkung | |
| 06.11.2025 | Kerbflo | 1,5 l je ha | Herbizid gegen Ackerfuchsschwanz (hat gut funktioniert!) | |
| 06.03.2026 | YaraLiva NITRABOR | 4 dt. je ha | Stickstoff und Bor | |
| 07.04.2026 | Nu-Slow 28 | 10 l je ha | 20 g Photon auf einer 1,3 ha mitgefahren | |
| 07.04.2026 | Green On Raps | 750 g je ha | Biostimulanz, Aminosäurebasierend | |
| 07.04.2026 | Klorofill | 1 l je ha | Signalstoff | |
| 07.04.2026 | Praktis (Prothioconazol) | 0,5 l je ha | Fungizid | |
| 07.04.2026 | Cyperkill | 50 ml je ha | Insektizid | |
| 08.04.2026 | Mineraldünger 24/12 N/S | 3 dt. je ha | Düngung mineralisch | |
| 17.04.2026 | Nu-Slow 28 | 10 l je ha | Methylenharnstoff | |
| 17.04.2026 | Trebon 30 | 0,2 l je ha | Insektizid | |
| 17.04.2026 | Praktis (Prothioconazol) | 0,5 l je ha | Fungizid | |
| 17.04.2025 | Quentisan Power 5/25/5 | 1 l je ha | P - Thema | |
| 17.04.2026 | Karrikin | 0,3 l je ha | vergrämende Wirkung, biostimulante Wirkung | |
| 17.04.2026 | Silamol | 0,1 l je ha | Silizium, Mo und B | |
| 17.04.2026 | Begreen von Biolchim | 1,5 l je ha | Pflanzenstärkung, Repellent gegen Insekten | |
| 22.04.2026 | 3 ALO T6P | 1 l je ha | nur auf 2,3 ha auf BASF Cheeta mittels Drohne ausgebracht |
Leider konnte keine abschließende Blühtenbehandlung gemacht werden, diese war geplant mit Syngenta Amistar Gold plus Karrikin plus nochmals Nu-Slow 28, da am Nachbarfeld schon die Bienenkästen standen. Dies wollten wir aus Nachhaltigkeitsgründen dann nicht mehr tun. Der Landwirte hatte außerdem ja schon zweimal ein einfaches Fungizid in den Bestand gegeben, und es sah auch alles sehr gesund aus.
Was wir aber hier, auch um mal was Neues zu probieren, uns geleistet haben, wir haben den Drohnendienstleister angerufen, und zur Blüte auf der Fläche vom BASF Cheeta noch eine Biostimulanz von Certis Belchim, 3 ALO T6P mit dem Aufwand von 1,0 l je ha, in Zusammenarbeit mit Stefan Bauer, Fachberater Certis Belchim, ausbringen lassen.
Die Dienstleistung wurde von Kaisers Farmservice, Ludwig Kaiser mit der großen DJI-Drohne durchgeführt. Super Sache, 15 Minuten Flug und schon war das ausgebracht. Egal wie hoch der Bestand ist, kein Umfahren etc. Schnell und doch relativ günstig.

Leider blieb auf dem Standort auch der Regen aus.
Hier die Daten der nächsten Wetterstation:
|
Zeitraum |
Niederschlag 2026 |
Vergleich 2016–2025 |
Abweichung |
|
März |
26,7 mm |
ca. 43,0 mm |
−38 % |
|
April |
12,9 mm |
ca. 37,8 mm |
−66 % |
|
Mai |
39,4 mm |
ca. 62,8 mm |
−37 % |
|
Juni |
64,3 mm |
ca. 80,9 mm |
−21 % |
|
März–Mai |
79,0 mm |
ca. 143,6 mm |
−45 % |
|
April–Mai |
52,3 mm |
ca. 100,7 mm |
−48 % |
Besonders der April war mit nur 12,9 mm extrem trocken; der höchste Tagesniederschlag betrug lediglich 4,7 mm.
Für die entscheidende Entwicklungsphase des Rapses ist eine ausgeprägte Niederschlagsunterversorgung klar belegt:
- während Blüte und Schotenansatz etwa 48 % weniger Niederschlag als im jüngeren Vergleich,
- von März bis Mai rund 45 % Defizit,
- besonders gravierende Trockenheit im April.
(Gedroschen wurde mit einer Feuchtigkeit von nur 5 %. Das bitte bei dem Ertrag noch vorab berücksichtigen.)
Dies hat dazu geführt, dass wir in diesem Versuch leider nur 37 dt. im BASF Cheeta erreichten und im Syngenta 33 dt. je ha Ertrag. Wobei bei beiden Sorten erreichten wir einen Ölgehalt von 43,4 %.
Die Erträge in der Region bewegen sich von 17 dt. je ha bis 37 dt. je ha. Je nachdem was der eine oder andere an Niederschlag bekommen hat. Was wir auch feststellen, was der Raps sehr gerne mag ist eine organische Düngung vor der Aussaat. Hier wird sehr viel positives dazu berichtet.
Zu den Maßnahmen und ein kleines Fazit, von dem was wir hier alles gemacht haben.
Thema Sorte: BASF Sorten wie Cheeta, oder Hermann, wurde im Jahr zuvor getestet stehen dem Mitbewerber nichts hinten an, im Gegenteil.
Wir haben im Herbst kaum Fraßstellen von Erdfloh und Co. feststellen können! Karrikin hat sich hier mehr als bewährt.

Die Biostimulanz Klorofill macht ein sehr schönes „Grün“…
Die Versorgung mit Stickstoff über das Blatt mit Methylenharnstoffprodukten wie Nu-Slow 28 passt sehr gut im Raps.
Was uns aber sehr gut gefallen hat, ist die Versorgung mit N, über die Bakterien vom NutribioN. Hier kann definitiv die Versorgungslücke für den Winter geschlossen werden. Wird auf dem Betrieb auch weiter so durchgeführt werden! Bitte immer an die Ergänzung mit Molybdän denken, damit die Bakterien gut arbeiten können.
Eine ausgewogene Versorgung mit Bor im Herbst und im Frühjahr ist wichtig. Aber auch die Spurenstoffe Mn, Mg, Zi, Cu über das FMC Multiple Pro, hat sich im Herbst für die Kultur Raps sehr gut gezeigt.
Green On Raps im Frühjahr hat richtig geschoben. 750 g in voller Aufwandmenge konnte einen richtigen Energieschub zeigen.
Karrikin im Frühjahr war gut, eine zweite Anwendung wäre hier noch gut gewesen.
Fazit: Wir haben bei dem Versuch bei weitem nicht das Ziel von 5 to + X Ertrag erreicht. Aber wir konnten überdurchschnittlich für die Region dreschen, bei weniger Einsatz von Mineraldünger und einer Produktion mit wenig Wasser über die Vegetation und einem doch sehr kaltem Frühjahr wieder.
Wir wollen das ganze in Kooperation 2026/2027 noch einmal durchführen, vielleicht ein wenig anders aber mit der gleichen Leidenschaft und werden euch auch hier wieder dazu berichten.
Beitrag von Johannes Seemeier